Hitzeinseln in Liesing

Hochsommerliche Temperaturen empfinden viele von uns als angenehm – am See liegend oder beim Baden im Meer. Im Stadt-Alltag aber ist Hitze für die meisten Menschen sehr    belastend. Sogenannte Hitzeinseln verstärken das Problem.

Unter Hitzeinseln in der Stadt, kurz UHI (Urban Heat Islands), versteht man Orte, die sich bei hohen Temperaturen ganz besonders stark aufheizen. Sie senken die Lebensqualität der Bewohner:innen, stellen sogar eine Gefahr dar: Überhitzung über einen längeren Zeitraum hinweg kann schwerwiegende physische und psychische Probleme zur Folge haben. An Hitzetagen, also Tagen mit Temperaturen über 30 Grad, wurden aufgrund des UHI-Effekts messbar erhöhte Sterblichkeitsraten nachgewiesen. Dazu gibt es sehr konkrete Zahlen: Laut Hitze-Mortalitätsmonitoring der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) können 449 Todesfälle im Sommer 2025 auf Überhitzung zurückgeführt werden. Im Jahr 2024, dem wärmsten Jahr der heimischen Messgeschichte, waren es sogar 989 Todesfälle.

Städtische Hitzeinseln entstehen durch ein Zusammenwirken mehrerer Faktoren. Im dicht bebauten Gebiet kann aufgrund der starken Versiegelung kaum Wasser verdunsten, was für Abkühlung sorgen würde. Senkrechte Flächen speichern Sonnenwärme besonders stark, und die Luft kann durch die Gebäudeflächen kaum zirkulieren. Der Klimawandel verstärkt diesen Effekt.

Auch in einem Bezirk mit viel Grün wie Liesing gibt es etliche solcher Hitzeinseln. Neben dem stark versiegelten Liesinger Platz etwa auch die Flächen neben der U-Bahn-Station Alterlaa vor dem Interspar und das relativ neue Stadtquartier Carrée Atzgersdorf. Gerade dort hat man eine Chance vertan, eine grüne Oase für die Bewohner:innen zu schaffen. Hinzu kommt, dass besonders Menschen, die klimaneutral mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind, aufgrund von Ampelschaltungen zum langen Warten in der prallen Sonne gezwungen werden, zum Beispiel an der Kreuzung Erlaaer Straße/Brunner Straße.

Das Problem ist der Stadt Wien offenbar bewusst. 2015 wurde von der Wiener Umweltschutzabteilung der „Urban Heat Islands Strategieplan“ herausgegeben und zum Teil bereits umgesetzt. Die darin genannten Maßnahmen umfassen etwa die Erhöhung des Grünanteils in Straßen und Freiräumen sowie des Wasseranteils in der Stadt, Begrünung und Kühlung von Gebäuden, mehr Beschattung und die Kühlung öffentlicher Verkehrsmittel. Der „Wiener Hitzeaktionsplan“ aus dem Jahr 2025 legt zudem einen starken Fokus auf das Thema Bewusstseinsbildung.

Auch wenn dies Schritte in die richtige Richtung sind, gehen die Maßnahmen der Stadt nicht weit genug. Grünflächen und Bäume sind sehr ungleich verteilt, die Entsiegelung schreitet nur langsam voran. Daher fordern wir, bei neuen Bauprojekten genug schattenspendende Bäume einzuplanen, damit Hitzeinseln gar nicht erst entstehen. Bei bereits bestehenden Hitzeinseln muss Entsiegelung Priorität haben. Eine relativ einfach umsetzbare Maßnahme etwa ist die Verwendung von versickerungsfähigen Belägen, zum Beispiel Rasengittersteinen, bei der Errichtung oder Sanierung von Parkplätzen. Als großflächiger Bezirk kann Liesing sogar eine Vorreiterrolle bei der Entsiegelung und damit Enthitzung der Stadt einnehmen, damit die Lebensqualität in Wien weiterhin so hoch bleibt wie sie ist.

Hitzeinsel
Hitzeinsel
Hitzeinsel Temperatur
Temperatur gemessen auf einer Hitzeinsel
Temperatur unter Baum
Zum Vergleich: Temperatur unter einem Baum